Issue 11 13.09.2026 · Lesezeit 7 Min Claude 5

Der teure Reflex kostet dich das Meiste.

Die Claude-5-Familie ist komplett. Die naheliegende Reaktion — „dann nehme ich immer Opus" — ist der teuerste Fehler, den du treffen kannst. Ein Entscheidungs-Guide, kein Benchmark-Geprahle.

Modell-Cheatsheet

Aufgabe → Modell → Kosten · auf einer Seite

Die Preistabelle, die Modell-IDs zum Kopieren und eine Aufgaben-Landkarte: welches Modell greift bei welcher Art von Arbeit.

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Quellen: Anthropic-Blog · Claude-Preise (Stand 09/2026)

Die Preise, schwarz auf weiß

Preis pro Million Token (Eingabe / Ausgabe). Der Abstand ist der Grund, warum die Modellwahl überhaupt eine Entscheidung ist:

Modell Preis (Ein / Aus) Stärke
Haiku 4.5 $1 / $5 schnell & billig, für Masse & einfache Schritte
Sonnet 5 $2 / $10 Opus-4.8-Niveau, „prüft sich selbst" — der neue Standard
Opus 5 $5 / $25 1 Mio. Kontext, 128K Output, adaptives Denken

Von Sonnet 5 zu Opus 5 verdoppelt bis verzweieinhalbfacht sich der Preis. Das ist es nur wert, wenn die Aufgabe es einfordert — nicht aus Gewohnheit.

Welches Modell für welche Aufgabe

Haiku 4.5 — die Fleißarbeit

Klassifizieren, Extrahieren, Umformatieren, viele gleichartige Kleinaufgaben, Erst-Sichtung großer Mengen. Überall, wo der Schritt einfach ist, aber oft passiert. Als Executor unter einem Advisor (siehe unten) schlägt Haiku deutlich über seiner Gewichtsklasse.

Sonnet 5 — dein Standard

Der Default für fast alles: Coding, mehrstufige Agenten-Läufe, Recherche, Wissensarbeit. Sonnet 5 liegt auf Opus-4.8-Niveau und erledigt Aufgaben, an denen Sonnet 4.6 noch scheiterte. Wenn du nicht weißt, welches Modell — nimm dieses.

Opus 5 — die schweren Brocken

Für das, was Sonnet 5 wirklich überfordert: sehr lange, verschachtelte Agenten-Läufe, ganze Codebasen im Kontext (die 1-Mio.-Token spielen hier ihre Rolle), lange Ausgaben (bis 128K), komplexe Enterprise-Aufgaben mit adaptivem Denken. Der Aufpreis ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Was „prüft sich selbst ungefragt" wirklich bedeutet

Anthropic hebt bei Sonnet 5 hervor: Es kontrolliert seinen eigenen Output, ohne dass man es auffordert. Das klingt nach Marketing, hat aber einen handfesten Effekt: weniger Runden, in denen du „das stimmt nicht, versuch's nochmal" tippst.

Praktisch heißt das: Sonnet 5 bemerkt öfter selbst, wenn eine Zwischenannahme nicht aufgeht, und korrigiert innerhalb desselben Laufs — statt dir ein falsches Ergebnis hinzulegen, das du erst finden musst. Das spart genau die teuren Nachfass-Runden, die eine Sitzung in die Länge ziehen.

Die Kombination, die fast niemand nutzt

Du musst dich nicht für ein Modell entscheiden. Die Advisor-Strategie aus Issue 5 lässt ein billiges Modell arbeiten und an Entscheidungspunkten ein starkes fragen — in Claude Code mit einem Befehl:

# billiges Modell arbeitet, teures beraet nur an Knackpunkten
/advisor opus

# Modell-IDs zum direkten Setzen
claude-haiku-4-5     # Fleissarbeit
claude-sonnet-5      # Standard
claude-opus-5        # schwere Brocken

So bekommst du Opus-Qualität an den Stellen, wo sie zählt, und zahlst Haiku- oder Sonnet-Preise für den Rest. Das ist der Hebel, den die „immer Opus"-Fraktion verschenkt.

Mein Fazit

Mach Sonnet 5 zu deinem Standard. Geh auf Haiku runter, wo die Arbeit einfach und viel ist. Geh auf Opus 5 rauf, wenn — und nur wenn — die Aufgabe die 1-Mio.-Token oder das adaptive Denken wirklich braucht. Das ist keine Sparmaßnahme, das ist einfach das richtige Werkzeug pro Aufgabe.

Wenn du heute nur eine Sache mitnimmst: „Immer das teuerste Modell" ist keine Qualitätsstrategie, sondern eine Rechnung. Für die meiste Arbeit ist Sonnet 5 nicht der Kompromiss — es ist die richtige Wahl.

Ein ehrliches Wort zum Preis: Die für den 1. September geplante Erhöhung von Sonnet 5 auf $3 / $15 wurde gestrichen — es bleibt bei $2 / $10. Gut für dich, aber Preise sind kein Naturgesetz. Rechne bei größeren Pipelines mit deinen echten Token-Mengen nach, nicht mit Bauchgefühl.

Zum Nachschlagen

Modell-Cheatsheet

Preistabelle, Modell-IDs zum Kopieren und eine Aufgaben-Landkarte — welches Modell bei welcher Art von Arbeit greift.

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Quelle: platform.claude.com · pricing


Das war Issue 11 der Velo-Wissen-Reihe. Jeden Sonntag um 15 Uhr eine Empfehlung — ein Tool, eine Bibliothek, ein Workflow oder ein Skill, das ich selbst getestet habe und für nützlich halte.